Barockvioline Benedikt Wagner, Ellwangen ca. 1780

Beschreibung

Zur Zeit bieten wir in unserem Atelier eine Violine von Benedikt Wagner  (Ellwangen) aus der zweiten Hälfte des 18. Jhd. an. Sie wurde in unserer Werkstatt vor ca. zehn Jahren aufwändig repariert und rebarockisiert.
Die Geige besitzt einen kräftigen, ausdruckvollen und tragfähigen Ton  und eine  leichte Ansprache.
Der Boden ist aus schlichtem einheimischen Ahorn. Die Decke aus Fichte  besitzt feine Jahrringe. Der Lack ist vermutlich auf Spiritusbasis und von heller transparenter bräunlicher Farbe.

Korpuslänge: 359 mm
Unterbug: 204 mm
Oberbug: 167 mm
Mittelbug: 113,5 mm
Deckenmensur: 195 mm
Halsmensur: 130 mm
Preis: auf Anfrage

Benedikt Wagner wurde am 13.10. 1704 in Halsbach (früher Pfarrei mit Dürrwangen) bei Dinkelsbühl geboren. Seine Eltern waren Simon und Magdalena (geb. Riedinger) Wagner. Vermutlich arbeitete er bis 1750 in Dürrwangen. Ab 1750  ging er mit seiner Familie nach Ellwangen, wo er unter anderem auch als Musiker tätig war.
Bereits zu seiner Ankunft in Ellwangen  war Wagner ein bedeutender Lauten- und Geigenbauer. Zuvor arbeitete er vermutlich in Dürrwangen. Das lassen die mm Geigenzettel schließen, die er bis 1751 verwendete: „Benedict Wagner  Geigen-  und Lautenmacher in Dirrwang Anno 17..“ . Ab etwa 1755 lautet der Wortlaut der verwendeten Zettel: „Benedict Wagner Hochfürstlicher HofLauten- und Geigenmacher in Ellwangen Anno 17..“.  Der früheste  erhaltene Zettel scheint aus dem Jahr 1758 zu sein.  Desweiteren brandstempelte Wagner seine Instrumente mit „Ellwang“ unterhalb des Endknopfs und „Wagner“ unterhalb des Zäpfchens.
Leider ist bislang nicht bekannt , wer Wagners Lehrmeister war. Aufgrund seiner hohen Qualität , der von ihm gefertigten Instrumente, ist eine autodidaktische Ausbildung unwahrscheinlich. Allerdings läßt sich aus seinen Instrumenten keine Verwandtschaft zu Meistern seines Umfelds erkennen.
Kelm schreibt ihm eine gewisse Nähe der venetianischen Schule zu, insbesondere Gobetti und Deconet. Auch mindestens vier seiner Söhne arbeiteten später als Geigenbauer und Musiker: Leonhard Josef (1735 Dürrwangen- nach 1790 Konstanz), Sebastian(1749 Dürrwangen- 1813 Meersburg), Benedict jun. (1745 Dürrwangen- [unbek.] Ellwangen) und Xaver (1758-1819).
Nach dem Tod Benedikt Wagners am 14. April 1794 in Ellwangen übernimmt sein Sohn Xaver die Werkstatt.

Quelle:
Kelm, Ortwin: „Der Hochfürstliche HofLauten- und Geigenmacher Benedict Wagner und seine Söhne, Geigenbau im 18. Jahrhundert in Ellwangen, Konstanz, Meersburg und Chamberry, umfassende Darstellung geschichtlicher und kunsthandwerklicher Gegebenheiten“, Heilbronn 2010